Was ist eine bakterielle Vaginose?

Bei Symptomen wie Juckreiz im äusseren Schambereich, vermehrtem Ausfluss sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und beim Wasserlassen fällt der Verdacht schnell auf Scheidenpilz oder bakterielle Vaginose als Verursacher. Beide Erkrankungen verursachen ähnliche Beschwerden – doch es gibt Unterschiede.

Unmittelbar nach der Geburt entsteht in der nahezu sterilen Scheide eines Mädchens aus Haut- und Darmkeimen die Vaginalflora. Der mikrobiologische Aufbau des Scheidenmilieus wird vom Lebensalter und der körperlichen Entwicklung bestimmt. Zu den wichtigsten Mikroorganismen, die sich in der Scheidenflora gesunder erwachsener Frauen tummeln, gehören über 200 Arten von Milchsäurebakterien (Laktobazillen). Ihre Stoffwechselaktivität wandelt Zucker aus den Scheidenzellen in Milchsäure um. Im Bereich der Vagina entsteht dadurch ein saures Milieu mit einem pH-Wert zwischen 3,8 und 4,4. Der hohe Säuregehalt wirkt lebensfeindlich auf schädliche Keime und schützt dadurch vor gynäkologischen Infektionen. Geht der Anteil an Laktobazillen zurück und nehmen gleichzeitig anaerob, also ohne Sauerstoff lebende Bakterien überhand, verschiebt sich das mikrobiologische Gleichgewicht der Scheidenflora, und der Arzt spricht von einer bakteriellen Vaginose.

Welche Ursachen hat eine bakterielle Vaginose?

Über die Gründe für den Niedergang der Milchsäurebakterien besteht aus medizinischer Sicht keine endgültige Klarheit. Einige Risikofaktoren stehen jedoch im Verdacht, den Rückgang der Laktobazillen zu begünstigen:

  • Milchsäurebakterien entwickeln sich unter dem Einfluss von Östrogen. Ihr Anteil an der Scheidenflora nimmt ab, wenn hormonelle Schwankungen zu einem sinkenden Östrogenspiegel führen.
  • Medikamente wie Antibiotika, die über längere Zeit zur Behandlung einer Infektion eingesetzt werden, oder Zytostatika, die während einer Krebstherapie das Zellwachstum hemmen, können als Nebeneffekt die Entwicklung der Laktobazillen beeinträchtigen.
  • Allzu gut gemeinte Hygiene und der Einsatz stark parfümierter Kosmetika können Milchsäurebakterien schädigen und das mikrobiologische Gleichgewicht der Scheidenflora stören.
  • Der negative Einfluss von psychosozialem Stress auf die empfindliche Balance des Scheidenmilieus gilt als unumstritten.

Unter Medizinern herrscht Einigkeit darüber, dass anaerobe Bakterien wie Gardnerella vaginalis (aber auch Prevotella, Porphyromonas, Peptostreptococcus und Mobiluncus) vor allem beim Geschlechtsverkehr ihren Weg in die Scheide finden. In einem geschwächten Scheidenmilieu können sie sich ungestört vermehren. Typisch für die bakterielle Vaginose ist die Aktivität von Gardnerella vaginalis. Die Bakterien schliessen sich zu einem dichten Verbund zusammen, der als Biofilm die Oberfläche der Vagina überzieht.

Welche Symptome verursacht eine bakterielle Vaginose?

Bei manchen Frauen verursacht eine bakterielle Vaginose keinerlei Beschwerden. In der Regel berichten betroffene Frauen über typische Leitsymptome. Dazu gehören zum Beispiel:

  • ein unangenehmer oder fischartiger Geruch des Fluors, grau-weisslicher, gelegentlich vermehrter Ausfluss (Fluor) mit dünnflüssiger oder schaumiger Konsistenz,
  • Hautreizungen und Juckreiz im Bereich der äusseren Scham,
  • gelegentliche Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und beim Wasserlassen.

Die bakterielle Vaginose ist keine Scheidenentzündung. Gesundheitliche Nachteile entstehen weniger durch die primären Symptome des mikrobiologischen Ungleichgewichts als durch die beeinträchtigte Schutzfunktion der Scheidenflora. Als Folge einer bakteriellen Vaginose können sich gynäkologische Infektionen entwickeln, die den äusseren Schambereich, die Schleimhaut von Gebärmutter und Gebärmutterhals sowie die Eileiter betreffen.

Was unterscheidet eine Vaginalmykose von einer bakteriellen Vaginose?

Während das mikrobiologische Gleichgewicht sich zu Ungunsten der Laktobazillen verschiebt, sinkt der Säuregehalt im Scheidenmilieu. Zu den schädlichen Mikroorganismen, die sich in der Folge verstärkt ausbreiten können, gehört der als Erreger der Vaginalmykose bekannte Hefepilz Candida albicans. Juckreiz im Bereich der äusseren Scham, vermehrter Ausfluss sowie Schmerzen beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr sind Beschwerden, die z.T. sowohl die bakterielle Vaginose als auch eine Scheidenpilzerkrankung begleiten können. Im Unterschied zur Vaginalmykose ist ein Symptom für die bakterielle Vaginose ein Fluor mit typisch grau-weisser Farbe und einem unangenehmen, fischartigen Geruch.

Wann ist ein Arztbesuch beim Verdacht auf bakterielle Vaginose nötig?

Medizinischer Rat ist grundsätzlich dann gefragt, wenn eine Frau Beschwerden verspürt, die sie nur schwer zuordnen kann. In ärztliche Hand gehören:

  • unklare Symptome,
  • Krankheitszeichen, die nicht aus eigener Erfahrung bekannt sind, aber möglicherweise auf eine Scheidenpilzinfektion oder auf eine bakterielle Vaginose hindeuten könnten,
  • Vaginalmykosen oder bakterielle Vaginosen, die regelmässig wiederkehren.

Der Arzt wird in einer Untersuchung den Krankheitsverlauf klären, die Diagnose absichern und einen individuellen Therapieplan erstellen.

Was tun bei bakterieller Vaginose während der Schwangerschaft?

Während der Schwangerschaft ist bei jedem Krankheitszeichen der Weg in die Arztpraxis unerlässlich. Sowohl Scheidenpilzinfektionen als auch die bakterielle Vaginose können dafür verantwortlich sein, dass Wehen frühzeitig einsetzen. Über eine medikamentöse Therapie oder die Notwendigkeit vorbeugender Massnahmen entscheidet der Arzt im Einzelfall.

Wie lässt sich einer bakteriellen Vaginose vorbeugen?

Vorbeugende Massnahmen gegen eine bakterielle Vaginose konzentrieren sich darauf, die gesunde Balance der Scheidenflora zu erhalten. Sanfte Hygiene mit pH-neutralen Waschlotionen schont das empfindliche Scheidenmilieu. Eine ausgeglichene Lebensführung mit Zeiten bewusster Entspannung fördert das mikrobiologische Gleichgewicht.

Top